Überraschend & erfolgreich – 2. geplanter JVA-Gedenkstättenbesuch im SPD-Sommerprogramm –

 

(1) Martina Staats (Gedenkstätte), Jan Schröder (SPD-Stadtverbandsvorsitzender) und Sabine Resch-Hoppstock (SPD-Sommerprogramm) bei den Erläuterungen zum Veranstaltungsortswechsel am Treffpunkt vor der JVA

 

Wegen der großen Nachfrage Anfang Juli bot der SPD-Stadtverband WF in Absprache mit der Gedenkstätte in der hiesigen JVA im September einen zweiten Informationstermin zur Neugestaltung der Gedenkstätte an. Diesmal hatte sich das Anmeldevolumen offenbar sogar noch gesteigert, so dass über 70 Personen ihre Interessenbekundung per Anrufbeantworter oder per Mail deutlich gemacht hatten. Veranstalter und Gedenkstätte freuen sich über das anhaltend große Interesse und versuchen gern, dem nachzukommen. Die in der voll in Betrieb befindlichen JVA geltenden berechtigten Sicherheitsvorkehrungen müssen dabei natürlich selbstverständlich berücksichtigt werden. Mit dieser großen Gruppe ließ sich deshalb eine Vor-Ort-Besichtigung nicht realisieren. Die SPD und die Gedenkstätte hatten aber für vollwertigen Ersatz gesorgt, sodass der Informationsgehalt sehr umfassend war und niemand unverrichteter Dinge zurückbleiben musste.
Kurzfristig hatte die Rektorin der Integrierten Gesamtschule an der Wallstraße, Fr. Miege, die Pausenhalle zur Verfügung gestellt und die dortige Schülerfirma zeichnete für ein tolles Snack-Büfett mit Kaffee & Kaltgetränken verantwortlich. Nach kurzem Fußweg dorthin fanden in dem modern ausgestatteten Raum alle Teilnehmenden gut Platz und Gedenkstättenleiterin Martins Staats entführte per PowerPoint-Präsentation alle mit Zeichnungen, Bildern und Tondokumenten in die dunklen Zeiten des hiesigen Gefängnisses in der NS-Zeit.
Die Historikerin wäre aber nicht sie selbst, wenn sie es nicht auch geschafft hätte, an diesem Nachmittag die Anwesenden mitzunehmen auf eine Zeitreise zurück bis heute, wo den damaligen Opfern nachträglich Gerechtigkeit in der Darstellung ihrer Geschichten widerfährt und das Gedenken im Vordergrund steht.
Das neu entstehende Dokumentationszentrum wird ab Spätsommer 2019 vom Parkplatz der Volksbank aus täglich ohne weitere Kontrollen zugänglich sein und die umfangreichen Baumaßnahmen dafür erheben sich heute bereits beim Blick vom Herzogtore aus als Kubus mit Einritzungen über die Gefängnismauer. Die vergrößerten damaligen Graffitis stammen im Original aus den Zellen und bekommen so signalgebende Wirkung ins Wolfenbütteler Stadtbild hinein. Die bundesweite Einzigartigkeit der Gedenkstätte für NS-Opfer hier bei uns mitten in WF in einer bestehenden Justiz-Vollzugsanstalt wird damit weithin verdeutlicht.
Die Entstehung dieser Gedenkstätte und der Erhalt der innen befindlichen ehemaligen Hinrichtungsstätte als Mahnung gegen das damalige systematisierte staatliche Recht des Unrechts-NS-Staates ist dem Engagement von Wolfenbütteler Bürgern zu danken. Nur aufgrund dessen war und ist die heutige Fortführung und Neugestaltung dieser einmaligen Gedenkstätte im Herzen unserer Stadt möglich. Von diesen Inhalten konnte sich die Teilnehmergruppe am SPD-Sommerprogramm in der IGS-Pausenhalle ein umfassendes Bild machen und es wurden zahlreiche interessierte Nachfragen zum Thema gestellt. Außerdem war es möglich, sich in eine Liste einzutragen um bei weiteren Führungen direkt im Gebäude persönlich zur Teilnahme angefragt zu werden. Von dieser Möglichkeit wurde vielzählig Gebrauch gemacht, auch wenn das Sommerprogramm des SPD-Stadtverbandes WF inzwischen eigentlich seinen Abschluss gefunden hat, aber diese weiteren Termine werden sicher bis in den Winter hinein abgearbeitet werden.